Januar 1945, die Hussitenstrasse in Trümmern, an ihrem Ende die beschädigte Versöhnungskirche.
1995 die Glocken sind zurückgekehrt.
Pfingsten 1999, Wiederaufstellung der geretteten Glocken.
23. Mai 1999, Grundsteinlegung für die Kapelle der Versöhnung.
Die Kurzgeschichte: Von der Versöhnungskirche zur Kapelle der Versöhnung
5. Teil
Berlin liegt 1945 in Schutt und Asche. Das
Nachkriegs-Deutschland trägt an einem schweren Erbe. In Berlin schaffen
die "Trümmerfrauen" den Wiederaufbau. Auch die beschädigte
Versöhnungskirche wird wieder hergerichtet. Doch dann wird die Stadt
geteilt. Die Grenze geht mitten durch die Versöhnungsgemeinde.
Versöhnung als ein Zusammenhalt über Systemgrenzen hinweg blieb der
Auftrag der Gemeinde in der Bernauer Straße.
1989 fällt die
Mauer in Berlin. Europa wächst zusammen, Ost und West. Was heißt
Versöhnung heute? Nach und nach wurden dann Reste der alten Kirche
entdeckt: eine Kirchenbank, der Altar, die Glocken, die Christusstatue, das
abgestürzte Turmkreuz. Zuletzt wurden die Fundamente der alten Kirche
freigelegt. Nachdem das Mauergrundstück der Gemeinde zur Sakralnutzung
rückübereignet war, entstand die Frage nach Form und Inhalt einer
solchen Nutzung für eine Zeit nach der Jahrtausendwende. Die Gemeinde
wurde sich der Bedeutung dieses Ortes in vielen Gesprächen mit alten
Berlinern und jungen ausländischen Gästen der Stadt bewußt.
An der Bernauer Straße. Auf dem ehemaligen Todesstreifen. Auf dem
Fundament der gesprengten Versöhnungskirche. An der "Gedenkstätte
Berliner Mauer".
Sie formulierte daraus eine einfache Aufgabe: Die
geretteten Glocken und der Altar der alten Kirche sollen an ihrem
ursprünglichen Ort wieder in Gebrauch genommen werden. Wo anders
- als an dieser Stelle - könnte eine "Kapelle der Versöhnung"
gestiftet werden, zum Dank für die Überwindung der Teilung Berlins,
der deutschen und europäischen Spaltung als ein internationales Zeichen.