28. August 1894, Kaiserin Auguste Victoria, bei der Einweihung der Versöhnungs-kirche
Die Kurzgeschichte: Von der Versöhnungskirche zur Kapelle der Versöhnung
4. Teil
Doch der Akt, der das Bild aus dem
Be-wußtsein löschen sollte, hat dafür ein neues Bild im
Bewußtsein der Weltöffentlichkeit eingeprägt. Die Sprengung der
Kirche offenbarte den Charakter des Systems noch deutlicher als die
Abschnürung des Gebäudes durch Mauer und Stacheldraht. Statt des
kurzen Prozesses, des Endes mit Schrecken, aber anschließender Ruhe,
kommt der Film vom Fall wieder und wieder zur "Aufführung" - bis heute.
Auch das Beseitigen von Spuren hinterläßt selbst wieder eine Spur,
die manchmal noch deutlicher die Erinnerung prägt.
Doch das Bild der fallenden Kirche soll nicht
das letzte Bild der Versöhnungsgemeinde bleiben. Nach dem Fall der Mauer
begann die Gemeinde sogleich, sich ihres Herkommens zu vergewissern. Das Archiv
der auf den Westteil reduzierten Gemeinde war bei der Kirche im Ostteil
geblieben und über die Jahre verstreut eingelagert worden. Damit war die
Erinnerung an die Jahre vor dem Mauerbau behindert. Die Rückführung
und Sichtung zeigte eine Gemeinde, die das Schicksal Deutschlands
widerspiegelt:
Die Geburtsstunde der Evangelischen
Versöhnungsgemeinde 1894. Berlin ist das größte
Industriezentrum Europas. Das wilhelminische Deutschland zeigt sich hier in
Glanz und Gloria. Tausende strömen in die junge Reichshauptstadt. Sie
suchen Arbeit, brauchen eine Heimat. Die soziale Not ist groß.
Versöhnung in den sozialen Spannungen war der Auftrag der neu
gegründeten Gemeinde. Die beiden Weltkriege haben schwere Folgen, auch
für die Kirchengemeinde.