Blick in das Kirchenschiff und Chorraum der Versöhnungskirche.
50er Jahre, Eingang zur Kirche, Bernauer Strasse 4.
50er Jahre, die Kirche am Ende der Hussi-tenstrasse.
Die Kurzgeschichte: Von der Versöhnungskirche zur Kapelle der Versöhnung
3. Teil
Was hat es zu bedeuten, daß im 19.
Jahrhundert in einem Arbeiterviertel eine gotische Kirche errichtet wird?
Symbole sind Gefühlssache, es gehört Intuition dazu, sie zu
verstehen. In der Neugotik schwingt romantisches Gefühl mit, die
Ästhetik des Erhabenen, Überwältigenden. Auch Nostalgie,
Sehnsucht nach klaren Verhältnissen, nach der Kirche im Dorf, die man auf
den ersten Blick aus den Häusern herausfindet. Der Glanz des
Höchsten, der zwischen den Hütten aufscheint. Auf der anderen Seite
die Meinung, über die eigene Geschichte Bescheid zu wissen wie über
ein Magazin von Requisiten, aus dem man sich bedienen kann. Seit 1961 stand
die Kirche dann im Todesstreifen der Berliner Mauer, Symbol weniger der
Versöhnung, als deren Unmöglichkeit.
Es war wohl ein Symbol, hätte man so auch
von der Versöhnungskirche sagen können, von dem Zeitpunkt an, da die
Gemeindemitglieder die Sektorengrenze zu überschreiten hatten, um das
Kirchengrundstück zu betreten. Aber nicht im Bau von Kirchen findet das
zwanzigste Jahrhundert eigentlich seine Symbole, sondern in ihrer
Zerstörung. Und daß einer in der Sprengung einer Kirche ein Symbol
sehen kann, ist selbst wieder eine Metapher für den destruktiven Charakter
dieses Jahrhunderts.
Die Sprengung sollte freies Schußfeld
schaffen. Aber sie sollte noch mehr. Ein Bild sollte vernichtet werden. Strafte
doch die eingemauerte Kirche, die auch noch den Namen "Versöhnung" trug,
die Begründung der Mauer als "antifaschistischer Schutzwall"
Lüge.