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Auszüge aus der Predigt zur Einweihung der Kapelle der Versöhnung

Einweihungsgottesdienst am 9.11.2000, 15.00 Uhr

Predigt des Bischofs der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg
Dr. Wolfgang Huber
zur Einweihung der Kapelle der Versöhnung am 9. November 2000 in Berlin

"Gott war in Christus und versöhnte die Welt mit sich selber und rechnete ihnen ihre Sünden nicht zu und hat unter uns aufgerichtet das Wort von der Versöhnung." So stand es schon in der Altarbibel, die Kaiserin Auguste Victoria am 28. August 1894 für die Versöhnungskirche gestiftet hat.
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Die Versöhnungszusage Gottes blieb auch in Kraft, als die im Todesstreifen gelegene Kirche am 22. Januar 1985 gesprengt wurde - als sich jene Zerstörung vollzog, die ein Epitaph für die Versöhnungskirche so beschrieb:

auf Befehl und Vertrag
eines Morgens stürzt
auf Befehl und Vertrag
eine Kirche aus unserem
Gedächtnis auf Befehl
und Vertrag ist Vertrag

Nein, die Kirche, die den Namen der Versöhnung trug, und das Wort von der Versöhnung stürzten nicht aus unserem Gedächtnis. Über Bitten und Verstehen hinaus gewannen wir vor elf Jahren wieder Zugang zu dem, was der Todesstreifen hieß. Über Bitten und Verstehen hinaus wurde vor zehn Jahren wieder vereinigt, was auseinandergerissen worden war.
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Unter den Kirchengebäuden, die wir nach 1990 neu errichten konnten, ist die Versöhnungskapelle in einer ganz besonderen, ja einmaligen Weise ein Zeichen unseres Dankes an Gott, der Trennungen überwindet und Versöhnung stiftet. Am zehnten Tag der Maueröffnung, am 9. November 1999, haben wir das Richtfest für diesen Bau gefeiert. Und heute, ein Jahr später, weihen wir sie ein. Das ist ein Zeichen gegen die Resignation; ein Hoffnungszeichen ist es auch in der Art, in der dieser Bau verwirklicht wurde. Ein Hoffnungszeichen ist es im Blick auf die vielfältige und ungewöhnliche Unterstützung, die wir dabei erfahren haben.
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Wir können nicht davon absehen: Der 9. November, dieser Schicksalstag der Deutschen, ist eben nicht nur der Tag der Maueröffnung im Jahr 1989, sondern auch der Tag der Schändung jüdischer Synagogen und der Plünderung jüdischer Kaufhäuser im Jahr 1938. Der 9. November, dieser Schicksalstag der Deutschen ist nicht nur der Tag, an dem 1919 in Berlin die Republik ausgerufen wurde, sondern auch der Tag, an dem 1923 in München der völkische Ungeist des Hitlerismus proklamiert wurde.
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Für alle Teile unseres Landes muss der 9. November zu einem Zeichen für Toleranz und Mitmenschlichkeit werden.

Hier fangen wir damit an - hier in der Kapelle der Versöhnung, einem deutlichen und mutigen Zeichen für das, wofür wir zu danken haben: das überraschende Geschenk der Versöhnung, das nicht nur in unseren Herzen, sondern auch in unserem politischen Leben Gestalt angenommen hat. Hier fangen wir an. Wo uns das Wort von der Versöhnung mit Gott erreicht, machen wir uns auf, Botschafter dieser Versöhung zu sein und für die Versöhnung unter den Menschen zu wirken. Dazu gebe Gott seinen Segen:
Am heutigen Tag und weit über diesen Tag hinaus. Amen.

Bischof Dr. Wolfgang Huber

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