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OBJEKTBESCHREIBUNG zur Kapelle der Versöhnung für den Bauantrag
Juli 1999

Modell Modell Modell Modell
reitermann /sassenroth architekten - Juli 1999

1. Kapelle
1.1. Gründung
Die Kapelle wird auf zwei Ringen aus Streifenfundamenten gegründet, der äußere trägt die Lasten aus der Dachkonstruktion und der Fassade des Wandelganges, der innere trägt die Wand des Kernes und teilweise der Dachkonstruktion.
Es werden zusätzliche Fundamente für das Eingangselement und das Altarbild benötigt. Die Gründungsmaßnahmen sind nach Auswertung des Bodengutachten endgültig zu bewerten.

1.2. Innerer Kern
Der innere Kern ist ein überdachter, winddichter Innenraum und unbeheizt. -
Außenwände
Die Wand des ovalen Kerns ist eine tragende, massive Stampflehmwand auf einer Trennschicht, innen und außen unverputzt und nicht gestrichen. Die Wand ist nicht zusätzlich wärmegedämmt. Stürze und Ringbalken werden durch bewehrten Stampfbeton gebildet. Es sind Wandöffnungen über der Orgelbühne, für das Altarbild und für das Eingangselement vorgesehen. Über der Orgelbühne werden die Öffnungen durch eine evtl. farbige Einfachverglasung in einem Holz-Stahlrahmen mit integrierten Öffnungsflügeln geschlossen.
Fußböden
Der Fußbodenaufbau besteht aus einer kapillarbrechenden Schicht, einer Dichtungsbahn, 20 cm Leichtlehm mit Blähton als Zuschlag und darüber einem 6 cm starken Belag aus hellem Stampflehm.
Decken
Die Decke wird vom Hauptdachtragwerk abgehängt. Sie besteht aus zwei Lagen Gipskartonplatten, die gespachtelt und mit einer hellen Farbe gestrichen werden. Darüber liegt eine Dämmung aus Steinwolle. Die Wind- und Feuchtigkeitsdichtung muß flexibel an die Lehmwand angeschlossen werden, um Schwindungen aufnehmen zu können. Eine künstliche Beleuchtung wird von der Decke abgehängt bzw. integriert. Tageslicht fällt durch ein (3,45 m x 3,45 m) das vom Hauptdach bis durch die abgehängte Decke geführt wird. Das Dachfenster ist leicht geneigt und besteht aus einer Isolierverglasung (untere Scheibe VSG, mattiert). Das Oberlicht ist als Holzständerkonstruktion in das Haupttragwerk eingehängt und innen mit Gipskartonplatten beplankt, die wie die Decke gespachtelt und mit einem Anstrich versehen sind.
Einbauten
Eine gekrümmte Holzbank mit hoher Rückenlehne (ca.1,8 m) trennt den Vorbereich von dem eigentlichen Versammlungsraum. Weitere Holzbänke möblieren kreisförmig den Kapellenraum. Die gerettete Altar-Steinplatte auf einem Stahlgestell wird als neuer Altartisch genutzt.

1.3. Eingangselement
Das Eingangselement wird in Holzständerbauweise errichtet und beidseitig mit Funiersperrholztafeln beplankt. Die Konstruktion ist gedämmt. Innen wird die Oberfläche mit einem farbigen An-strich (Lasur) behandelt. Die Konstruktion wird in Längsrichtung durch die Beplankung der Wand, in Querrichtung durch Verbindungen mit der Lehmwand ausgesteift. Wind- und Wasserdichtung zur Lehmwand müssen flexibel ausgeführt werden, um Schwindungen der Lehmwand aufnehmen zu können.
Die Konstruktion muß im Außenbereich wind- und wasserdicht ausgeführt werden. Winddichte, abschließbare Außentüren schließen das Eingangselement. Sie werden innen und außen wie die Holzständerkonstruktion beplankt. Die künstliche Beleuchtung ist in die Längswände integriert. Eine Entwässerung der Deckenfläche wird nicht vorgesehen. Über den gesamten Fußboden wird ein aufnehmbarer Bürstenteppich gelegt. Die Treppe zur Orgelbühne wird in das Eingangselement integriert.

1.4. Orgelbühne
Die Decke der Orgelbühne wird als massive Brettstapeldecke ausgeführt. Sie wird von der Lehmwand und einem Brüstungsträger aus Brettschichtholz getragen und bleibt von oben sichtbar. Die Untersicht wird mit Gipskartonplatten beplankt, gespachtel und mit einem hellen Anstrich versehen. Der Brüstungsträger wird mit Funiersperrholzplatten beplankt.

1.5. Altarbild
Über der ausgegrabenen und sichtbaren Kellertreppe mit Resten der beim "Mauerbau" zugemauerten Tür der alten Versöhnungskirche wird der Baukörper für das Altarbild errichtet. Die Holzständerkonstruktion wird über das Hauptdach hinaus geführt. Die Aussteifung des Baukörpers erfolgt in Längsrichtung über die Scheibenwirkung der Beplankung, in Querrichtung über Anschlüsse an die Lehmwand. Die Oberflächen des Baukörpers bestehen außen und innen aus Funiersperrholztafeln, welche innen mit einem hellen, farbigen Anstrich (Lasur) behandelt werden. Die Wände werden gedämmt und müssen wind- und wasser-dicht ausgeführt werden.
Eine winddichte, abschließbare Außentür mit gleichen Oberflächen wie die Wände schafft einen zweiten Ausgang der Kapelle. Die Belichtung erfolgt über den Lichtschacht innerhalb der über das Hauptdach geführten Konstruktion. Ein künstliche Beleuchtung wird innerhalb des Lichtschachtes installiert und funktioniert als indirekte Belichtung. Eine einfache Verglasung (VSG) wird senkrecht in die Öffnung der südöstlichen Wand des Lichtschachtes eingebaut. Öffnungsflügel ermöglichen ein Entlüftung der Kapelle.

Ansicht

1.6. Wandelgang
Der Wandelgang ist ein überdachter und mit einer Holzkonstruktion abgeschirmter Außenraum.
Außenwände
Eine Holzlamellenfassade des zweiten Bauabschnittes (vgl. 3.3.) umhüllt den gesamten Wandelgang. Sie steht frei, außen vor den Dachstützen, am Fußboden und Dachrand gehalten. Senkrechte Lamellen aus unbehandeltem Lärchenholz bilden die äußere Schalung mit einem Grad der Geschlossenheit von ca. 50%. In die Fassade wird ein Eingangsschiebetor mit einer Breite und Höhe von jeweils drei Metern integriert.
Das Schiebetor aus einem Stahlrahmen wird in gleicher Weise wie die Fassade beplankt. Auf der Südseite wird eine Fensteröffnung (5,0 x 3,0 m) vorgesehen. In einer Breite von 5 m werden die Fassadenstützen abgefangen. Die Öffnung wird mit einer Stahlglasfassade mit Einfachverglasung (VSG) geschlossen.
Decken
Das Dach des Wandelganges bildet das Hauptdach über dem gesamten Baukörper. Neun Hauptträger aus Brettschichtholz (12 cm x 65 cm) tragen im Wandelgang sichtbar die Dachscheibe. Sie ste-hen in 9 Achsen in einem Abstand von 2,5 m bis 2,8 m. Die Träger lagern auf 18 Brettschichtholzstützen, die unmittelbar vor der Fassade stehen.
In den Achsen 3 - 8 werden sie zusätzlich durch die Stampflehmwand unterstützt. Verteilt über die Gesamtform werden Verbände aus Stahlzugbändern zwischen den Stützen angeordnet, die vollständig die Aussteifung des Hauptdaches und der Fassade übernehmen. Nebenträger in einem Achsabstand von 1,0 m tragen die Dachschalung, die als steife Scheibe ausgebildet wird. Die Nebenträger bilden die Dachneigung von ca. 6%. Über der Dachschalung folgt die Dichtungsbahn und die Zink-Stehfalz-Deckung.
Die Dachaufbauten für die Oberlichter werden ebenfalls mit Zinkblech gedeckt. Es wird eine umlaufende Rinne mit vier Fallrohren vorgesehen. Die Nebenträger werden im sichtbaren Bereich von unten mit Holzwerkstoffplatten verkleidet.
Fußboden
Der Fußbodenaufbau besteht aus einer schlaff bewehrten Betondecke, darüber eine Schicht aus Gußasphalt.

2. Technische Anlagen
Das anfallende Regenwasser wird in einer Zisterne gesammelt und für die Bewässerung der Außenanlagen genutzt. Das überschüssige Regenwasser wird über einen Wabenkernspeicher direkt auf dem Grundstück versickert.
Die Kapelle wird an das Netz der BEWAG angeschlossen. Der Anschlußraum befindet sich im Verwaltungshaus des Elisabeth-Kirchhofs.
Die Unterverteilung für elektrische Beleuchtung erfolgt in der Kapelle. Es werden keine vorbereitenden Maßnahmen und Einbauten für spätere Einrichtungen für Heizung, Sanitärinstallationen und Gasversorgung vorgenommen.
Es sind keine zusätzlichen Maßnahmen zur Beeinflussung der Raumakustik vorgesehen.

3. Glockenstube
3.1. Gründung
Die Glockenstube wird über Streifenfundamente frostfrei gegründet. Die Sohlplatte besteht aus 10 cm starken bewehrtem Ortbeton auf einer 20 cm starken kapillarbrechenden Kiesschicht.

3.2. Glockenstuhl
Der Glockenstuhl steht auf einem Sockel aus Sichtbeton. Die Glocken sind hintereinander angeordnet. Der Glockenstuhl wird als Eichenholzkonstruktion gemäß Statik erstellt. Das Läuten der Glocken wird ausschließlich im Handläutebetrieb ermöglicht.

3.3. Hülle/Vitrine
Im zweiten Bauabschnitt (vgl. 1.6.) wird der Glockenstuhl mittels einer Holzständerkonstruktion eingehaust, die unabhängig vom Glockenstuhl errichtet wird. Die Fassadenbeplankung besteht aus waagerechten Holzlamellen. Sichtöffnungen ermöglichen den Blick auf die Glocken.

4. Aussenanlagen
4.1. Eingangsbereich
Im zweiten Bauabschnitt wird im Eingangsbereich eine Fläche als wassergebundene Decke angelegt, die ähnlich der historischen Situation eine neue Einfriedung einschließlich dreier Tore aus verzinktem Stahl zur Bernauer Straße und nach rechts und links zu den Nachbarn jeweils eine Mauer aus Sichtbeton erhält. Der Belag grenzt sich gegenüber dem alten Grundriß durch eine andere Farbigkeit ab. Das Gelände bleibt im wesentlichen auf seinem derzeitigen Niveau.

4.2. Alter Grundriß
Der Grundriß der alten Versöhnungskirche wird mit einer wassergebundenen Decke nachgezeichnet. Die Ränder werden mit verzinktem Flachstahl eingefaßt. Die Bewässerung erfolgt mit dem gesammelten Regenwasser.

© Fotos und Pläne: reitermann/sassenroth

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