Außer dem genannten Projekt einer
Stampflehmwand in Düsseldorf und der Kapelle der Versöhnung
in Berlin wurden in den letzten Jahren weitere tragende Wände und
Gebäude aus Stampflehm errichtet. Von einer Auswahl, die sich auf
Mitteleuropa beschränkt (ohne auf die große Zahl neuer Bauten in
Amerika und Australien einzugehen), seien die wichtigsten Daten mitgeteilt.
Selbsttragende Wand im Landeskrankenhaus,
Feldkirch Als Kunst am Bau wurde 1992 von Martin Rauch eine 7 m hohe,
133 m lange Stampflehmwand für das Landeskrankenhaus Feldkirch,
Vorarlberg, entworfen und gebaut. Die Wand dient als Wärmespeicher zur
natürlichen Regulierung des Raumklimas. Gleichzeitig bildet sie mit ihren
warmen Brauntönen und der rauen Oberfläche einen reizvollen Kontrast
zu der glatten Glas-Stahl-Konstruktion der Fassade.
1: Landeskrankenhaus Feldkirch; 2: Friedhofsmauer; 3: Besuch aus Indien auf der Baustelle; 4: fertige Kapelle nachts
Kapelle der Versöhnung, Berlin Die
Kirche der Evangelischen Versöhnungsgemeinde in Berlin-Wedding lag seit
1961 unerreichbar für die Gemeinde unmittelbar hinter der Mauer auf dem
Grenzstreifen in Berlin-Mitte. 1985 wurde das Gebäude als unliebsames
Hindernis gesprengt und abgeräumt. 10 Jahre nach dem Fall der Mauer
hat die Gemeinde an gleicher Stelle eine Kapelle aus tragendem Stampflehm
errichten lassen. Sowohl die Last aus dem Holztragwerk des Daches als auch die
Windlasten werden von der zylinderförmigen Wand abgetragen und in den
Baugrund geleitet.
Haus Estoscha, Zoologischer Garten Basel Das Haus Etoscha im Zoologischen Garten Basel umfasst mehrere Tiergehege
und eine Pflanzenhalle. Neun Schiefwinkelig zueinander stehende 70 cm dicke
Wände aus Stampflehm bilden im wesentlichen die Tragstruktur.
Selbsttragende Wand im Informationsgebäude
Wanglin / Mecklenburg Das Informationsgebäude Wanglin ist das
Zentrum des Lehr- und Erlebnisgartens Wanglin. Das Gebäude öffnet
sich durch eine großflächige Verglasung auf der Südseite zum
Garten. Zur Klimaregulierung dienen mehrere selbsttragende L- oder
U-förmige Stampflehmwände.
Zusammenfassung
Aufgrund der Tatsache, dass Bauwerke und tragende
Bauteile aus Lehmbaustoff nicht nur außerhalb Europas sondern auch in
Europa gefragt werden, ist es angezeigt sich mit dem Lehmbau
ingenieurwissenschaftlich zu beschäftigen. Wegen der Affinität von
Stampflehm und Beton wird hier in einem Stahlbetonjahrbuch über Grundlagen
des Stampflehmbaus berichtet. Im Mittelpunkt des Interesses stehen die für
die Standsicherheit der Bauwerke relevanten Materialkennwerte der
Lehmbaustoffe.
...
Ein Gedanke zum
Abschluss Etwa 1/3 der Menschheit lebt in Lehmbauten. Gerade
dieser Teil der Erdbevölkerung wächst um 3% pro Jahr und verdoppelt
sich in etwa 20 Jahren. Um den nächsten Generationen ausreichende
Wohnstätten zu geben, müssen alle denkbaren Baustoffresourcen
erschlossen werden. Dabei sind jene die besten, die das Material mit
geringem Energieaufwand liefern und deren Baustoff das Leben in einem
behaglichen Wohnklima mit geringer Bertriebsenergie gewährleistet.
Lehmbaustoffe erfüllen diese Kriterien im hohem Maße. Eine
zukunftsorientierte Baustoffforschung darf deshalb Lehmbaustoffe nicht
außer Acht lassen, sondern muss sich ihrer intensiv annehmen.
Lehmbauforschung kann zur Bewältigung der Probleme beitragen, die
global aus der anhaltenden Bevölkerungsexplosion erwachsen.
Auszüge aus: Avak, R.; Goris, A. Stahlbeton Aktuell 2002, Berlin 2001 Tragender Stampflehm Ein
betonverwandtes Konglomerat mit Vergangenheit und Zukunft
Autoren: Prof. Dr.-Ing. Klaus Dierks und Dipl.-Ing. Christof Ziegert