Am 8. November, ein Tag vor dem Richtfest, war die
Stabilität der Holzkonstruktion infrage gestellt. Eine nächtliche
Krisensitzung waren die Folge und ein Arbeitseinsatz, der bis zum Mittag des 9.
November dauerte. Dachdecker, Zimmerleute, Bauherrenvertreter, Architekten und
Tragwerksplaner legten mit Hand an, um den Termin des Richtfestes nicht zu
gefährden. Weitere Gefahren für den Lehm mussten abgewandt werden.
Neben einigen Leckagen im Notdach, die immer wieder zu Wassereinbrüchen
und einer Gefährdung der Lehmwände führten, entstand die Frage
nach der Frostempfindlichkeit der Lehmwände. Die Lehmwände
trocknen von außen nach innen ab, und es bilden ich somit drei Schalen:
trocken - feucht - trocken. Konnte ein plötzlicher Dauerfrosteinbruch
diese Schalen voneinander sprengen? Eine provisorische Ölheizung wurde
installiert, aber der Frosteinbruch blieb glücklicherweise aus. Im Sommer
2000 hatte die Lehmkonstruktion ihre Ausgleichsfeuchte erreicht. Die
Dachkonstruktion konnte auf die jetzt tragenden -Lehmwände abgesetzt
werden.
1: Holzständerkonstruktion; 2: Aufbau der Dachscheibe; 3: Aufbau der Dachscheibe; 4: Aufbau der Dachscheibe und Orgelempore
Rückblicke und Ausblicke Schlussbemerkung Pfarrer Fischers unerschütterlicher Glaube an die Errichtung eines
Neubaus der Kapelle der Versöhnung prägte die gesamte Planungs- und
Bauzeit. Das Projekt hatte Höhen und Tiefen. Alle Risiken, die ein solcher
Experimentalbau mit sich bringt, konnten nicht im Voraus abgeschätzt
werden. Nach der Einweihung am 9. November 2000 erhielt der Bau viel Lob.
Nicht nur Lehmbauer, sondern auch Architekten und Bauherren, die noch keine
Erfahrung mit Lehm hatten, erkannten die Qualität des Entwurfs und der
Konstruktion. Im Laufe der Planung an der Kapelle der Versöhnung
lernten wir Francis Keré kennen, einen Architekturstudenten der TU
Berlin. Er stellte uns den Entwurf für eine Schule vor, die in seiner
westafrikanischen Heimat in Burkina Faso, im Dorf Gando, in Lehm gebaut werden
sollte. Nicht zuletzt durch den Bau der Kapelle der Versöhnung
bestätigt, trieb er mit seinen Kommilitonen die Planung voran. Wir
unterstützten das Projekt mit Tragwerksberatung und statischer Berechnung.
Im Sommer 2001 stellte er das erste fertig gestellte Gebäude der
Schulanlage vor, das mit einheimischen Baustoffen und in Selbsthilfe mit der
Dorfbevölkerung in fünf Monaten entstanden ist. Eine bemerkenswerte
und sehr schöne Konstruktion, über die noch zu berichten sein wird.
Literatur und Quellen: Cointereaux,F. de: die Pisé-Baukunst. Das klassische Buch über
die Kunst des Lehmbaus, Zentralantiquariat der DDR, Reprint, Leipzig 1989.
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Januar 1951. DIN 18952, Blatt 1 bis 2, Lehmbau. Baulehm, Oktober 1956.
DIN 18953, Blatt 1 bis 5, Lehmbau. Baulehm, Lehmbauteile, Mai 1956. DIN
18954, Lehmbau. Ausführung von Lehmbauten, Richtlinien, Mai 1956.
Lauber, W. (Hrsg.): Architektur der Dogon. Traditioneller Lehmbau und Kunst
in Mali. Prestel-Verl. München 1998. Miller, T, Grigutsch, E.,
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Universität Berlin, Kapelle der Versöhnung - Schlußbericht zur
Fremdüberwachung, hrsg. v. Institut für Entwerfen, Konstruktion,
Bauwirtschaft und Baurecht, Fachgebiet Tragwerkslehre und Baukonstruktion,
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Braunschweig 1999. Vom Schönen und Nützlichen. David Gilly
(1748-1808), hrsg. v. Fachhochschule Potsdam und Stiftung Preußische
Schlösser und Gärten, Berlin-Brandenburg 1998.