
Stampflehmwand bei M. Rauch

Stampflehm und Holzfachwerk

Stampflehmwand in Feldkirch

Stampflehmwand bei M. Rauch

Stampflehmwand

Stampflehmwand in St. Gerold

St. Gerold

St. Gerold

St. Gerold

Lehmofen von M.Rauch

Küche

Lehm in Gefachung

Stampflehm mit Gestaltung
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Projekt Landeskrankenhaus
Feldkirch/Vorarlberg Ein Glücksfall war für mich der
künstlerische Wettbewerb für ein Projekt im Landeskrankenhaus
Feldkirch/Vorarlberg (Abb.11). In einem 180 m langen Glashaus, dem
Erholungsraum für Patienten und gleichzeitig Erschließungsraum
für verschiedene ergänzende Einrichtungen einschließlich
Tiefgaragen, war eine geschwungene Betonwand, hinter der die Gebäude
liegen, künstlerisch zu bearbeiten. Ursprünglich als
Klinkervermauerung gedacht, habe ich 1989 ganz spontan eine Lehmwand
vorgeschlagen und erhielt dafür von der Jury den ersten Preis. Damit stand
ich vor der Situation "Kunde droht mit Auftrag". Allein die insgesamt 250 t
Lehm stellten eine Herausforderung dar. Zudem ist die Wand über 130 m
lang, 6 m hoch, zum Teil noch höher. Folglich war neben der Technik vor
allem die Logistik zu meistern. Schließlich mußte ich diese Masse
in kürzester Zeit, in nur vier Monaten, in die Wand einstampfen.
Außerdem mußte alles ansprechend aussehen. Tatsächlich
wußte niemand, ob und wie es funktionieren oder was dabei herauskommen
würde.
Dennoch war das Experiment, als Kunstobjekt durchgeführt,
möglich. Rückblickend kann erfreulicherweise festgestellt werden,
daß dieses Projekt eine sehr große Breitenwirkung und positive
Ausstrahlung auf den Lehmbau hat. Die Lehmwand, ohne Fugen durchgestampft - nur
vermindert sind Arbeitsschritte sichtbar -, wirkt sehr wohltuend im Gegensatz
zur feingliedrigen Glas- und Stahlkonstruktion des Krankenhauses.
Kopfzerbrechen machte die Bewältigung des Materials, vor allem die
Höhe der Wand. Ich überbrückte sie mit einer fahrbaren
Plattform, die uns hochheben konnte. Gestampft wurde vor einer
Aluminiumschalung, die ich vor der Betonwandung fixierte. Zwischen Beton und
Lehm besteht ein Hohlraum von 5 cm, in dem die Luft zirkuliert. Sichtbar sind
die Öffnungen, durch welche die Luft strömt, wodurch die Lehmwand
zwei Seiten erhält.
Im Wechselspiel zwischen
Licht und Oberfläche schaut die Wand frühmorgens anders aus als am
Tag, was zu jeder Tageszeit sehr ansprechend wirkt.
Ein modernes Stampflehmhaus
Ein weiteres, 1994-1996 entstandenes Projekt, ist ein wirklich monolithisches
Lehmhaus. Entstanden ist ein tragendes Stampflehmhaus mit rohen
Stampflehmmauern, die 65 cm stark monolithisch verdichtet sind. Daraus ergibt
sich die Statik und mit den Ecken dann auch die Raumaufteilung. Das
Dachgeschoß sitzt in Holz-/Holzschnitzelausfachungsbauweise auf den
Stampflehmwänden. Damit komme ich zur
Oberfläche der Lehmwände, speziell zu Detaillösungen der
Oberflächengestaltung, bei der entsprechend den Arbeitsschritten Stein-
oder Keramikleisten herausragen, dies jedoch nicht so, daß sie
dominieren. Mitunter legten wir auch nur Mörtelleisten ein, die kaum
sichtbar werden. Dies erfolgt nicht alle 25 cm, sondern im Abstand von 1,40 m,
wodurch die Wand auch großzügiger wirkt. Die Wände stampf-ten
wir bis zu einer Höhe von 4 m. Flächen im oberen Bereich bis zum
Dachanschluß wurden innen und außen mit Lehm verputzt. Das
heißt: sämtliche Lehmwände, ob Stampf- oder Leichtlehm, sind
bei diesem Haus wie bei allen Projekten komplett unbehandelt. Lediglich die
Oberflächen im Innenraum wurden vor dem Einzug gebürstet und mit
Preßluft abgeblasen, während draußen eine kalkulierte Erosion
stattfinden darf.
Da wir zudem großen Wert auf die richtige
Lösung von Details legten, verankerten wir die Fenster in der Lehmmauer.
Auf diese Weise ist das Material beim Durchschauen gleichzeitig außen und
innen sichtbar, so daß der Scheibencharakter wirklich monolithisch
erscheint. In der Werkstatt hergestellt und vor Ort montiert wurde eine 5 cm
starke Lehmwand. Durch sie - wie auch durch die anderen Innenmauern -
strömt von einem Ofen erzeugte heiße Luft. Die beheizbaren
Wände, die als sog. hypokaustische Heizung funktionieren, sind mit
farbigem Lehmputz versehen. Alle Stampflehmwände sind roh, naturbelassen,
alle Leichtlehmwände sind lehmverputzt und in verschiede-nen
Weißtönen gestrichen. Das heißt: ein bestimmter Weißton
für die Außenwand, ein bestimmter Weiß-ton für die Decke
und ebenfalls ein bestimmter Weißton für die Innenwände - womit
die Lebendigkeit des Materials auf die Oberfläche der Decken und
Wände übertragen werden sollte. Gebrannte und ungebrannte Details
zieren das Badezimmer, z.T. auch gespachtelte Lehmoberflächen, die mit
Öl oder Wachs bearbeitet sind, um sie wasserfest zu machen. Auch hier, wie
bei vielen dieser Projekte, dient Stampflehm als Baumaterial - vor Ort
aufbereitet, gesiebt und ganz genau gemischt, um mit guter Qualität in die
Schalung gestampft und verdichtet zu werden. Jahreszeitlich bedingt wurde bis
zum ersten Stock gestampft, dann, kurz vor Wintereinbruch, das Holzgerüst
für den zweiten Stock aufgesetzt, abgedeckt und winterfest gemacht.
Selbst bei einer gut geplanten Bauabwicklung ist eine längere Bauzeit
einzukalkulieren. Das hier beschriebene Haus wurde in drei Jahren gebaut. Auch
bei den in bewährter Hackschnitzeltechnik ausgefachten Obergeschossen,
arbeiteten wir rationell und verwendeten z.B. für das Ausfüllen der
Holzkonstruktion mit Holzleichtlehm eine herkömmliche Estrichpumpe.
Hackschnitzelwände bearbeiteten wir außen und innen mit
Lehmputz, wobei der Außenputz zur Herausforderung wurde, zum einen durch
ein relativ kleines Vordach, zum anderen wegen der Hackschnitzel. Um die
Dampfdiffusion von innen nach außen zu ermöglichen, müssen auch
außen Lehmputz oder Putz offen sein. Ein sehr wasserdichter Betonverputz
wäre nicht dienlich und außerdem schwierig. So experimentierten wir
nach alten Rezepten.
Aus meiner Kindheit weiß ich, daß wir
frischen Kuhdung mit Lehm vermischten. Damit heilten wir Bäume, machten
Umschläge bei Tieren und vieles mehr. Ebenso ließ sich Kuhdung in
den Lehmputz mischen, um ihn wetterfest zu stabilisieren. Also entschlossen wir
uns, bis zu 30, 40 % Kuhdung mit Lehm zu vermischen und auf die Lehmwände
zu spritzen. Ob der Lehmputz wirklich hält, ist natürlich nicht
sicher. Zudem ist eine kalkulierte Erosion einzuplanen.
Ich verwendete
unter anderem einen farbigen Lehmputz, 10 mm stark, mit sehr hohem Stroh- oder
Faseranteil. Und ich gestehe diesem Verputz zu, daß er erodieren und
seine Farbe verändern kann. Auch Stampflehm hat beim Hausbau am Anfang
eine kalkulierte Erosion. Wie Menschen reifer werden, muß man auch dem
Lehmhaus zugestehen, daß es altern kann. Lehm hat im Vergleich zu den
herkömmlichen Baumaterialien den großen Vorteil, selbst im Alter
dauerhaft und schön zu bleiben. Davon ließen wir uns leiten und
trennten die Felder über dem Stampflehm mit dünnen Aluminiumleisten,
so daß jedes Feld seine eigene Lehmfarbe bekommt. Das heißt, habe
ich drei Farben, mische ich zuerst eine weiße Farbe und gebe dann etwas
rote hinzu. Geschieht das Feld für Feld, entstehen leichte
Farbschattierungen. Berücksichtige ich diese Vielfarbigkeit schon im
voraus, weil beispielsweise Lehmwände im Westen anders erodieren als im
Osten, kann sich ein Haus in aller Ruhe langsam
verändern.
Lehmbau ist schön,
rationell und schnell
Andere Erfahrungen sammelte ich bei einer
Friedhofsmauer in Sankt Gerold, einer Gestaltung, die dem Krankenhausprojekt
folgte. Hierfür diente Lehm nicht nur als ein Gestaltungsmittel, sondern
hatte zudem Symbolcharakter. Die Option war ein Grabstein aus Lehm für ein
Dorf. Gestalterisch umgesetzt, entstand eine Lehmmauer, die vor Ort gestampft
wurde. Davor befinden sich Tafeln mit den Daten der Toten. Die Wand ist so
beschaffen, daß sie ein wenig erodieren kann, was aber eigentlich nur in
den ersten drei, vier Jahren geschieht. Betrachtet man die Wand mit ihren
Steinleisten und dem Vordach von 2 cm drei Jahre später, ist eine geringe
Erosion erkennbar, die so bestehen bleibt. Denn nach meiner Erfahrung braucht
eine Lehmwand etwa zwei Jahre, bis sie diese Schönheit zeigt.
Bauen wird rationeller und schneller. Beim
Holzbau wird ein Haus in zwei Tagen aufgestellt. Oft wünschen sich die
Bauherren aus klimatischen oder optischen Gründen unbedingt ein
Stampflehmobjekt oder eine Lehmmauer. Wir stellen uns der Herausforderung und
reagieren mit einem Lehmobjekt, z.B. einer Trennwand zwischen Eingangsbereich,
Wohnbereich, Eßbereich, die wir in der Werkstatt vorfertigen, auf die
Bau-stelle transportieren und vor Ort direkt aufsetzen. Zwei Stunden
später wird "der Deckel draufgelegt", und das Haus ist in praktisch zwei
Tagen fertig. Die Herstellung der Lehmwand, durch bessere Vorrichtungen in der
Werkstatt ermöglicht, läßt sich preislich akzeptabel
realisieren.
Wenn bisher behauptet wurde, Lehm und schnelles Bauen seien
nicht zu vereinbaren, so beweist dieses Beispiel das Gegenteil. Bis zu einem
gewissen Maße ist rationelles Bauen machbar. Sogar großformatige
Stampflehmobjekte können in der Werkstatt hergestellt, verpackt und
transportiert werden. Wir können das realisieren - ähnlich wie bei
Einbauschränken oder einem 4 m langen Wohnzimmerschrank in Raumhöhe.
Auf diese Weise integrierten wir bei einem Fertigteilhaus einen offenen Kamin.
Wir stellten eine Wohnzim-merwand von 4,50 m x 2,70 m Höhe in der
Werkstatt her mit allen notwendigen Aussparungen für ein kleines Tablar
mit Lichtgestaltung sowie einer Aussparung für das Feuer. Nach einer
Vorzeichnung wurde vom Entwurf her die Schalung aufgelegt. Nach diesem
Grobkonzept wurden die farbigen Tone und Materialien eingestampft, denn es ist
äußerst wichtig, auch die Details stets sorgfältig zu arbeiten,
wobei die Filigranität sogar beim Stampflehm immer aufs Neue
überrascht. Eine solche Lehm-wand, lediglich 17 cm stark und auf der einen
Seite 2,70 m hoch, wurde auf einer Palette vorgefertigt und dann etwa 20 km
weit zur Baustelle transportiert. Diese Art der Fertigung ist für uns
selbst vom Arbeitsauf-wand her einfacher. Was
"normale" Oberflächen betrifft, so gibt es genug Fachleute und auch
Beispiele, die zeigen, daß schön geputzte Oberflächen
äußerst beruhigend und angenehm wirken. Auf jeden Fall versuche ich
bei meinen Projekten, Lehm so exakt wie möglich zu verarbeiten, d.h. z.B.
wirklich scharfe Kanten zu realisieren und die Lehmputzoberfläche der
Architektur entsprechend zu bewältigen. Alle Arbeiten müssen bis ins
letzte Details exakt erfolgen - auch in Verbindung mit moderner Architektur.
So stellte ein Bauherr in seinem Haus eine
hallende Akustik fest, die eine Betonplatte als Decke des mehr als 4 m hohen
Raumes verursachte. Er suchte nach Akustikplatten oder einer Akustikdecke. Wir
hatten zu dieser Zeit bereits bei einem Konzertraum in St. Gerold grobe
Lehmstrukturen als schallschluckende Wände realisiert. Dazu montierten wir
einfache, 2,5 cm starke Lehmbauplatten der Firma Claytec auf eine
Lattenkonstruktion. Darauf spritzten wir nachträglich mit einer
Putzmaschine eine Lehmmischung aus Lehm, sehr feinem Korkschrot, viel
Strohhäcksel und ein wenig Kasein. Die Oberfläche wurde roh belassen.
Die Werte sind hervorragend und wesentlich besser als eine völlig glatt
verputzte Fläche. Im selben Raum gestalteten wir einen Kachelofen mit
einer glatt verputzten Wand. Solche schlichten nor-malen Wände mit
Lehmputz oder mit normalem Ried sind - weiß gestrichen - sehr
ansprechend. Beheizba-ren Wänden, die Wärme ausstrahlen, geben wir
einen anheimelnden Natur- oder Farbton.
Bei einem kompletten Lehmhaus in
Wien fügten wir eine 4,30 m hohe Stampflehmwand ein, bei der wir ebenfalls
die Wechselbeziehung zwischen gebrannten und ungebrannten Elementen nutzten.
Auch hier beeindruckt die Harmonie gebrannter Teile in Verbindung mit
Stampflehm und einer Stahlkonstruktion, offenem Feuer, farbigem Lehm und
weißem Lehmputz. Wie zuvor nutzten wir die bereits bewährte Technik
für den Akustikputz, jedoch etwas fester als Wandputz. Bei einer
Altbausanierung gestalteten wir die Lehmwände weiß, lediglich eine
Wand in jedem Raum erhielt eine rauhe, farbige Lehmoberfläche. Um den
Schall zu mäßigen, verwendeten wir Lehmtapeten, das heißt
Altpapier, in Lehmschlicker getaucht und auf die Wand geklebt. Lehm wirkt nicht
nur geräuschdämmend, beruhigend, sondern auch sehr ästhetisch.
Ob schlicht, bildhaft oder künstlerisch -
die Gestaltungsvielfalt ist enorm. Lehm ist lebendig und in jedem Alter
schön anzusehen.
Martin Rauch
Aus: "Modern bauen mit Lehm". ein
Ratgeber der Kirchbauhof gGmbH |