Als
Künstler begeistert mich die Trilogie: Lehm, Ton, Erde, die meine
Arbeit seit über 16 Jahren begleitet. Seither hat die Formbarkeit von Lehm
für mich eine Faszination, die aus der künstlerischen Arbeit
entstand. Und weil mich Lehm, Ton und Erde als Künstler und
Lehmbauer schon sehr lange begleiten, möchte ich hier einen Einblick in
die Gestaltung von Lehmoberflächen, Lehmgestaltung und in das
Lehmoberflächenfinish geben.
Obwohl die drei
Worte - Lehm, Ton, Erde - prinzipiell dasselbe beinhalten, haben sie
für mich und meine Arbeiten dennoch symbolischen Charakter. Im globalen
Zusammenhang würde ich Lehm aus bautechnischer Sicht als
Baumaterial beschreiben, Ton als Symbol der Gestaltbarkeit bei der
künstlerischen Verarbeitung, Erde als Sinnbild ökologischer
und volkswirtschaftlicher Vorzüge des Lehmbaus.
>Lehm besteht aus Ton und Sand, entsteht also aus der Zersetzung
anderer Gesteine. In Zusammensetzung und Farbe gleicht somit kaum ein Lehm dem
anderen. Zudem ergibt sich, je nach Vorkommen, eine große Vielfalt von
Lehmbautechniken und -ausdrucksformen, die für die Regionen bestimmend und
in der alten Lehmbausubstanz Europas - wie überall auf der Welt -
erkennbar sind.
Mit seiner Schönheit und Lebendigkeit bietet Ton eine
variantenreiche Gestaltung. Lehm ist ein wahrhaft lebendiges Material. Tone und
Lehme weisen oft die gesamte Skala der Erdfarben auf: von weiß,
hellbeige, gelb über ocker, braun bis rot usw. Feucht verarbeitet ist
Lehm, je nach Zusammensetzung, ein mehr oder weniger formbarer Baustoff, der
durch Lufttrocknung hart wird. Sein Color entspricht den Farben, die auch in
der Natur vorkommen; vielleicht wirkt Lehm auch deshalb besonders ansprechend
und angenehm. Wird dann auch noch ein ausgesuchtes Material verwendet, so
läßt sich die Farbgebung harmonisch abstimmen - z.B. mit einem
Lehm-Kasein-Spachtelboden.
Diese Gestaltungsvielfalt spricht sehr
viele Menschen an, v.a. auch diejenigen, die Lehm vorerst nicht wegen seiner
ökologischen und bauphysikalischen Vorteile verwenden würden, was die
Zielgruppe für den Lehmbau wesentlich erweitert. Es ist gerade die
ästhetische Oberfläche von Lehm wie auch seine sensible
Gestaltbarkeit, die es Menschen möglich macht, Lehm und seine
Eigenschaften zu begreifen, Freude und Begeisterung zu erleben. Dies ist der
erste Schritt, sich mit Lehm auseinanderzusetzen, sich damit zu identifizieren
und ihn zu verwenden.
Martin Rauch
Aus: "Modern bauen mit Lehm". ein
Ratgeber der Kirchbauhof gGmbH